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Parodontologie

Was ist Parodontitis?

Nach dem heutigen Wissenstand gehen bis zum 45. Lebensjahr hauptsächlich Zähne durch Karies und deren Folgen verloren, danach aber ist die Zahnverlustrate durch Parodontitis größer.

Wir wissen aber auch: Karies ist vermeidbar, Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis (Zahnbettentzündung) sind kontrollierbar, so dass eigentlich Zähne lebenslang erhalten bleiben können.

Ursachen und Auswirkungen der Parodontitis:

Neben Karies gehören Gingivitis und Parodontitis zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten der Menschheit.
Schuld an diesen Erkrankungen sind vor allem Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte. Bei der Entwicklung einer Parodontitis spielen – im Gegensatz zu einer Gingivitis – noch weitere Faktoren eine Rolle wie Erbanlage, Immunsystem, Allgemeinerkrankungen und lokale Mitverursacher in der Mundhöhle (z.B.: Zahnstein, überstehende Füllungs- und Kronenränder, hygieneunfähiger Zahnersatz). In der Mundhöhle lassen sich weit über 300 verschiedene Bakterienarten nachweisen, jedoch nur ganz wenige Bakterienstämme sind verantwortlich für das Entstehen einer Parodontitis.

Die Untersuchung des Bakterienspektums in einer erkrankten Zahnfleischtasche ermöglicht Rückschlüsse auf den Schweregrad der Parodontitis. Je länger sich der Wirtsorganismus, in dem sich die Bakterien aufhalten – in diesem Fall das Parodontium, mit krank machenden Bakterien auseinandersetzen muss, desto ausgeprägter wird der Verlust parodontaler Strukturen sein.

Folglich kommt es zu vertikalem und horizontalem Knochenabbau, Verlust von Wurzelzement und parodontalen Fasern, mit denen die Zähne in ihrem Knochenfach aufgehängt sind. Bedrohlichen Charakter entwickelt eine Parodontitis allerdings erst zu einem Zeitpunkt, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist:
Die Zähne sind gelockert, zwischen den Zähnen haben sich unansehnliche Lücken entwickelt, hin und wieder bilden sich auch Abszesse (Eiterbeulen) am Zahnfleisch.

Wenn es erst einmal soweit gekommen ist, ist Zahnverlust nahezu unumgänglich.

Wie entsteht eine Parodontitis?

Auf einem absolut sauberen Zahn bildet sich innerhalb kürzester Zeit ein Belag bestehend aus dem sog. Schmelzoberhäutchen, auf dem sich verschiedene Bakterien auflagern. Wird diese „Plaque” nicht regelmäßig mit der Zahnbürste entfernt, siedeln sich immer mehr Bakterien an. Je älter diese Plaque wird, desto mehr Krankheit verursachende Bakterien sind in ihr vorhanden.

Nach ca. drei Wochen lässt sich eine verstärkte eitrige Entleerung aus den Zahnfleischtaschen feststellen, wobei zugleich eine Rötung und Verdickung des Zahnfleisches bei zunehmender Blutungsneigung entstanden ist. Diesen Zustand nennt man Gingivitis (Zahnfleischentzündung). Eine Gingivitis ist zumeist der Beginn einer Parodontitis, denn wenn diese Entzündung nicht behandelt wird, so können sich die krank machenden Bakterien in der Tiefe der Zahnfleischtasche ungehindert vermehren. Sofern das betroffene Parodontium die Anlage zum Entstehen einer Parodontitis hat, entwickelt sich aus der Gingivitis eine Parodontitis.
Das bedeutet, dass neben den Symptomen: Rötung,Schwellung, Blutungsneigung zusätzlich vertiefte Zahnfleischtaschen auftreten, die Ausdruck verlorengegangener parodontaler Strukturen sind. Dieses stellt der Zahnarzt durch Ausmessen der Zahnfleischtaschen mit einer speziellen Sonde sowie anhand von Röntgenaufnahmen fest.

Verlaufsformen der Parodontitis:

In Abhängigkeit vom Alter des Patienten und dem Ausmaß der Parodontitis unterscheidet man verschiedene Verlaufsformen dieser Erkrankung.

1. Die Erwachsenenparodontitis steht mit ca. 80% aller Parodontalerkrankungen im Vordergrund. Sie tritt bei Patienten im Alter von 45-50 Jahren auf, bei denen sich aufgrund unzureichender Mundhygiene eine Gingivitis im Laufe von Jahren zu einer Parodontitis fortentwickelt hat.

2. Die juvenile Parodontitis (bis zu 2% aller Parodontalerkrankungen) setzt – wie der Name schon sagt – im jugendlichen Alter ein, d.h. schon Jugendliche können an einzelnen Zähnen tiefe parodontale Schäden aufweisen. In der Regel sind dann die mittleren Schneidezähne und die ersten Backenzähne am stärksten betroffen.

3. Die rasch fortschreitende Parodontitis (bis zu 5% aller Parodontalerkrankungen) betrifft 25-30 Jährige. Diese Verlaufsform entwickelt sich aus einer unbehandelten juvenilen Parodontitis oder entsteht als eigenständiges Krankheitsbild. Hier kommt es sehr häufig zu Rezidiven, d.h. dass sich immer wieder akute parodontale Probleme entwickeln können.

4. Zunehmend Sorge bereiten Parodontalerkrankungen, die auf dem Boden schwerer Allgemeinerkrankungen (z.B. HIV) oder medikamentöser Behandlungen als Begleiterkrankung auftreten.

Im weiteren Sinne gehören auch sog. Rezessionen zum Formenkreis parodontaler Erkrankungen.

Diese Rezessionen entstehen u.a. durch eine falsche Zahnputztechnik, wobei es zu einem lokalen oder auch zu generellem Rückgang des Zahnfleisches kommen kann. Die Zähne wirken dadurch länger und sind aufgrund von freiliegenden Wurzelflächen sehr empfindlich.

Schlussbetrachtung:

Wir wissen heute, dass in den meisten Fällen das Entstehen einer Parodontitis vermieden werden kann.

Voraussetzung dafür ist, dass das bakterielle Klima in der Mundhöhle keinen Krankheit verursachenden Charakter entwickelt. Dieses kann durch den eigenen mundhygienischen Einsatz der Patienten und durch die professionelle Hygienebetreuung in der Zahnarztpraxis geleistet werden.

Überall dort, wo sich eine Parodontalerkrankung entwickelt hat, hängt das weitere Schicksal von diesen zuvor genannten Bedingungen, aber auch vom individuellen Parodontitisrisiko des betroffenen Patienten ab.

Durch frühzeitiges Erkennen und konsequente Behandlung der Erkrankung lässt sich die durch Parodontitis bedingte Zahnverlustrate auf ein erträgliches Maß reduzieren.

Therapie

Wenn bei einem Patienten eine Parodontitis diagnostiziert wird, bedeutet dieses nicht, dass es zwangsläufig zu Zahnverlust kommen muß. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung, die abhängig vom Schweregrad der Erkrankung angewendet werden.

Zu Beginn einer systematischen Parodontalbehandlung müssen eine spezielle Untersuchung der Zahnfleischtaschen mit einer Sonde und röntgenologische Aufnahmnen der erkrankten Zähne durchgeführt werden. Anhand dieser Befunde wird gemeinsam mit dem Patienten ein Behandlungsplan erstellt. Grundsätzlich gliedert sich eine Parodontalbehandlung in folgende Abschnitte:

Phase I: Initialtherapie I/II, erweiterte Vorbehandlung, Neubewertung
Phase II: Chirurgische Parodontalbehandlung, Neubewertung
Phase III: Versorgung mit Kronen, Brücken, herausnehmbaren Zahnersatz
Phase IV: Erhaltungsphase (sog. recall)

Phase I: Initialtherapie I

Unerlässlich in der modernen Parodontaltherapie ist der Einsatz qualifizierter Mitarbeiterinnen, wie z.B. der Prophylaxehelferin (PH), der Zahnmedizinischen Fachhelferin (ZMF), der Dental-Hygienikerin (DH). Zu den Aufgaben der weitergebildeten Fachhelferinnen gehören u.a.

Aufklärung des Patienten über die Entstehung der Parodontitis
eingehende Erläuterung der individuellen Erkrankung
Anleitung zu einer korrekten Mundhygiene
Kontrolle der Bemühungen des Patienten
Motivation des Patienten zur Aufrechterhaltung der Bemühungen
Entfernung harter und weicher Beläge oberhalb des Zahnfleischsaumes

Phase I: Initialtherapie II

Entfernung von harten und weichen Auflagerungen auf den Wurzelflächen in der Tiefe der Zahnfleischtaschen mit Ultraschall- oder Handinstrumenten
Glättung, Politur und Fluoridierung der Wurzelflächen

Erweiterte Vorbehandlung”. Parallel zur Initialtherapie I/II findet die erweiterte Vorbehandlung durch den Zahnarzt statt. Mit dem Ziel, Hygienefähigkeit herzustellen, werden u.a. folgende Behandlungsschritte durchgeführt:

Entfernung nicht erhaltungsfähiger Zähne
Wurzelkanalbehandlungen – Behandlung kariöser Zähne
Temporäre Versorgung mit Kronen und Brücken (Interimsversorgung)
Schienung stark gelockerter Zähne

Nach Abschluss der Initialtherapie I/II und der erweiterten Vorbehandlung wird eine Neubewertung der parodontalen Situation durch den Zahnarzt vorgenommen. In der Regel kann man sagen, dass durch die beschriebenen Behandlungsmaßnahmen leichte bis mittelschwere Parodontalerkrankungen zur Ausheilung gelangen und somit weiterführende parodontalchirurgische Maßnahmen selten erforderlich werden. Dennoch müssen Sie ihr Leben lang für korrekte Mundhygiene sorgen und in der parodontologischen Praxis betreut werden.

Phase II:
Bei allen schweren Parodontalerkrankungen werden nach dieser Neubewertung die dann noch erforderlichen chirurgischen Eingriffe dem Patienten verständlich gemacht und geplant. Für diese Behandlungen stehen eine Reihe moderner parodontalchirurgischer Techniken zur Verfügung mit deren Hilfe u.a. versucht wird, verloren gegangene Parodontalstrukturen wieder aufzubauen. Es handelt sich dabei um die sog. regenerative Parodontaltherapie. Zum Einsatz kommen dabei entweder ein gelartiges Material (Emdogain/Biora) oder Membranen. In dieser Phase werden ggf. resektive Behandlungen, d.h. Eingriffe, bei denen Zahnfleisch oder auch Teile von Zähnen gezielt entfernt werden müssen, durchgeführt.

Phase III:
Nach einer Ausheilungszeit von 3-6 Monaten erfolgt wieder eine Neubewertung und die Planung der definitiven Versorgung mit Inlays, Kronen, Brücken, kombiniertem und herausnehmbarem Zahnersatz.

Phase IV:
Parodontal erkrankte Patienten müssen akzeptieren, dass ihre Behandlung niemals abgeschlossen sein wird. In Abhängigkeit vom Schweregrad ihrer Parodontitis müssen sie 2-6 mal pro Jahr zur Hygienebetreuung in die parodontologische Praxis kommen und zugleich ihre eigenen Mundhygienebemühungen lebenslang konsequent aufrechterhalten. Ein Abweichen von diesem Weg führt zwangsläufig zu Rezidiven, d.h. zu einem lokalen oder auch generellen Wiederaufleben der Parodontitis. In diesem Fall kann nur durch eine individuelle Betreuung in der parodontologischen Praxis sichergestellt werden, dass neue Rezidive rechtzeitg erkannt und therapiert und somit Zahnverluste vermieden werden.

 


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